Mittelalterlicher Traum

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Moderator: Mirakulix

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Rukkola
Träumerle
Beiträge: 6
Registriert: 10.05.2013, 15:49

Mittelalterlicher Traum

Beitrag von Rukkola »

Hallo liebe Traumdeuter,

ich hatte gestern einen sehr eindringlichen Traum, den ich nicht so ohne weiteres deuten kann. Deshalb möchte ich um Eure Hilfe bitten.

Ich bin weiblich, 44 Jahre alt und alleinstehend. Ich male und unterrichte Malerei. Meine Lebenssituation kurz gefasst: Ich habe sehr viel zu tun, habe ca. 3 Jobs, seit vielen Jahren einen komplizierten Erbnachlass zu bewältigen mit mehreren Gerichtsprozessen und seit letztem Jahr muss ich mich auch noch um diverse Krankheiten kümmern. Alles ist nicht so dramatisch, nur zeitmäßig bin ich in der Regel etwas überfordert, da ich auf allen Gebieten „meine Frau stehen muss“.

Der Traum:

Alle Sequenzen haben einen Betrachter (mich), den man sich als Totale vorstellen kann, wie in einem Spielfilm. In diesen Sequenzen sehe ich mich dann auch selbst.

1. Ich befinde mich mit einer Freundin Therese in einer leicht hügeligen ländlichen
Umgebung. Die Wetterlage ist als neutral zu bezeichnen, weiß-grauer Himmel. Quer durchs Bild zieht sich eine ca. 2-3 Meter hohe graue Steinmauer, die wahrscheinlich eine Burgmauer ist, nur diese sehen wir nicht. Die ganze Szenerie hat im Traum durchgehend etwas Mittelalterliches. Senkrecht zu dieser Mauer läuft zum Betrachter hin nach rechts gehend eine Mauer aus dunkelgrauen, flachen rechteckigen Steinplatten, die Ähnlichkeit mit Schiefer haben. Diese Mauer ist genauso hoch wie die andere, nur wesentlich schmaler. Therese sitzt etwas links versetzt auf der frontalen Mauer und sagt mir, dass ich über die schmale Mauer laufen soll. Daraufhin erscheine ich auf der frontalen Mauer mit einem gelben Seil, das irgendwo hinter mir angebunden ist und fange an, auf der Mauer zu balancieren. Nach ein paar Schritten rutsche ich aus und knalle, abgesichert durch das Seil, das ich die ganze Zeit festhalte, gegen die Steinplatten. Ich tue mir zwar weh, aber nichts Schlimmeres passiert. Ich bin sauer auf Therese, dass sie wieder mal so eine blöde Idee hatte.

Hierzu fällt mir ein, dass diese Freundin von mir (auch Künstlerin) eine etwas verzauberte, chaotische Person ist, bzw. die Dinge nicht immer rational oder pragmatisch angeht. Dadurch ist sie sich in ihrem Fortkommen häufig selbst im Weg, was sich aber grundsätzlich nicht unbedingt negativ auf ihr Leben auswirkt. Alles ist irgendwie kohärent und sehr authentisch bei ihr. Mein Gefühl zu der Traumsequenz ist, dass Dinge, die für sie funktionieren, nicht unbedingt für andere gut sind. Grundsätzlich habe ich ein spirituelles Interesse und bin passiv buddhistisch interessiert. Bei dem gelben Seil ist mir auch sofort die buddhistische Deutung der Farbe Gelb eingefallen: Gelb ist die Farbe der menschlichen Welt, der Welt sowohl des Zweifels, als auch der Möglichkeit zur Erleuchtung, die Welt des Menschen ist die Einzige, wo es die Möglichkeit zur Erleuchtung gibt. Daher könnte das gelbe Seil bedeuten, dass meine vom Buddhismus geprägte Weltsicht mich rettet…

2. Der Betrachter sieht von Weitem eine Gruppe von Leuten durch eine stärker hügelige Landschaft wandern, die Ähnlichkeit mit Siebenbürgen, bzw. England hat. Der Himmel ist Weiß mit einer leichten Abendröte über dem Horizont. Ich selbst bin in der Gruppe, vielleicht ein paar Freunde und wahrscheinlich meine Schwester.
3. Mittlerweile befindet sich die Gruppe in einer felsigen Landschaft und läuft einen schmalen Weg zur Burg hoch. Die Gruppe läuft auf den Betrachter zu. Oben angekommen schauen dann alle rechts in eine felsige Schlucht hinunter, mit abwechselnd grau-braunem Gestein. Wir wissen uns zwar in Sicherheit, aber uns wird trotzdem mulmig dabei.
4. Ich sitze mit meiner Schwester, nun in einer nur noch leicht hügeligen Landschaft, in einer Gruppe von unbekannten Leuten und wir müssen an einer Mutprobe, bzw. Initiation teilnehmen. Aus welchem Grund wissen wir nicht. Es gibt wieder den Betrachter von außen. Der sieht links eine Reihe von Leuten nach hinten weglaufend, ca. 7-8 Personen. Etwas weiter hinten sitzt meine Schwester in dieser Reihe. Davor, zum Betrachter hin sitzt links im Bild ein Löwe. Ich selbst sitze als erste vorne in der rechten Reihe, die der linken gegenüber liegt, vis-a-vis mit dem Löwen. Am Ende der rechten Reihe sitzt ein Zebra. Links von der linken Gruppe befindet sich ein Teil von der schmalen Stein- oder Schiefermauer aus der ersten Sequenz, ca. 6-7 Platten davon, parallel zur linken Gruppe. Die Steinplatten haben im oberen Teil anthropomorphe Gestalt angenommen, es sind Köpfe, Hälse und Schultern zu sehen, der untere Teil verläuft wie gehabt rechteckig weiter. Die beiden äußeren Gestalten haben um die Kopfform herum eine Aura aus weißlichem, bzw. hellgrauem Stein. Wir stehen auf, gehen zu dieser seltsamen Mauer und betrachten uns die Gestalten, fassen sie auch an. Dann gehen wir zurück auf unsere Plätze, da diese Mutprobe beginnen soll. Irgendwas wird uns erklärt, wie das ablaufen wird, aber ich verstehe das nicht, wahrscheinlich, weil ich nicht aufpasse. Derweil betrachte ich meine Schwester, die mir schräg gegenüber sitzt und mit stoischer Gelassenheit ihr Schicksal erwartet. Der Löwe betrachtet mich und öffnet sein Maul. Zwischendrin wird uns erklärt, dass wir alle mit einem spitzen Metallgegenstand, einer dicken Metallnadel gestochen werden und das aushalten müssen. In dem Moment gelange ich in einen halbwachen Zustand und überlege, ob es sich dabei um Akupunktur oder Folter handeln wird, und ob uns wohl die Nadel in die Nieren gestochen wird (Mir fällt ein Folterungsmord ein, der sich in den zwanziger Jahren in Amerika abgespielt hatte, bei dem die Frau, das Opfer u.a. damit gequält wurde, dass ihr in die Nieren gestochen wurde). Ich verwerfe dann diesen Gedanken, konstatiere, dass ich wohl paranoid bin und verfalle wieder in den richtigen Schlaf. Hiernach sehe ich, dass der Löwe mich anstarrt und seine Zähne wetzt. Hinten fängt auch das Zebra an sich zu bewegen, und noch ein paar andere wilde Tiere stoßen hinzu (welche Rassen weiß ich nicht). In dem Moment wird mir klar, dass wir alle sterben werden, wenn wir hier bleiben. Ich stehe auf, schnappe mir meine Schwester und fliehe mit ihr. Wir sind entkommen.

In dieser Sequenz könnte die stoische Ruhe meiner (4 Jahre jüngeren) Schwester (Ich bin die älteste von drei Geschwistern und habe noch einen jüngeren Bruder) damit zu tun haben, dass sie bald für mindestens ein Jahr nach China geht, da sie anderswo keine Arbeit gefunden hat. Obwohl das sicherlich spannend wird, mache ich mir schon ein bisschen Sorgen um sie. Auch sie hat gerade ein paar unruhige Jahre hinter sich. Ihr Sternzeichen ist Löwe, aber gefühlsmäßig sehe ich da keine Verbindung zum dem Löwen im Traum. Grundsätzlich haben wir eine recht enge, freundschaftliche Beziehung zueinander. Bei den Steingestalten mit der Aura, also den Heiligen, sind mir erstmals russische Ikonen eingefallen, die ich bewundere, bzw. die byzantinische Malerei in der eigenartigen Kombination mit Stonehenge, oder auch buddhistische Höhlenmalerei. Der Löwe hat mir eigentlich gefallen und ich hatte grundsätzlich keine Angst vor ihm, nur wollte ich dann nicht von ihm gefressen werden. Die fremde Gruppe von Leuten hatte vom Gefühl her etwas maffiöses an sich, sie war mir auf jeden Fall nicht sympathisch. Die Mauern könnten Hindernisse, oder auch beschränktes Denken meinerseits darstellen. Genau kann ich mir das nicht erklären, aber sie bilden in dem Traum eine Geometrie, die streckenweise auch in meinen Bildern vorkommt, nur sind meine Bilder wesentlich farbiger. Was die „Nierenstecherei“ betrifft habe ich mich im vorletzten/letzen Jahr eine Zeit lang eingehend mit psychopathischen Serienmördern beschäftigt, da ich (Auslöser war das Buch American Psycho) verstehen wollte, wie jemand zum Psycho- oder Soziopathen wird. Deshalb habe ich mir viele Lebensläufe von Tätern durchgelesen und bin dabei natürlich auch nicht um die Taten umhin gekommen. Letztlich habe ich dann eine sehr gute Studie zur Entwicklung der Soziopathie im Kindesalter gefunden, die mein Interesse voll befriedigt hat, zusammen mit den Parallelen, die sich mir in den Biografien aufgetan haben. Seither beschäftigt mich das Thema nicht mehr so sehr, ist aber in diesem Traum wieder zum Vorschein gekommen.

Für Hinweise zur Deutung meines Traumes wäre ich Euch dankbar.

Lieben Gruß
Rukkola
Rukkola
Träumerle
Beiträge: 6
Registriert: 10.05.2013, 15:49

Re: Mittelalterlicher Traum

Beitrag von Rukkola »

Hallo Rose,

vielen lieben Dank!

Ja, da sind sicherlich so einige familiäre Leichen im Keller. Grundsätzlich habe ich aber das Gefühl, dass ich über dem Berg bin, was, wenn ich es so betrachte, auch die sich verändernde Landschaft darstellen könnte. Diese ist erst leicht hügelig, hügelig, dann felsig und am Ende wieder eher wellig. Vielleicht ist der Traum teils auch ein Rückblick auf die letzten 15 Jahre. Sowohl die Erbangelegenheiten, als auch die Krankheiten sind dabei, sich langsam (aufzu)lösen.
Was die erste Sequenz betrifft, magst Du Recht haben, wobei in meinen Bildern an sich nicht die Geometrie dominiert, sondern eher Landschaften und Menschen begleitet. Ich hatte mal eine stark geometrische und nicht sehr gelöste Phase, als sich das innere und äußere Chaos in meinem Leben breit machte, und meine Malerei wurde wieder lockerer, als das Chaos abzog. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass ich mich da wahrscheinlich an klaren Strukturen festklammern wollte. Die Bilder von Therese sind z.B. streng geometrisch, was im Zweifel einen ähnlichen Hintergrund haben könnte.

Liebe Grüße

Rukkola
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