Kleine laute Macht

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Kleine laute Macht

Beitragvon easyamy9 » 05.05.2019, 17:25

Hallo zusammen,
ich hatte letzte Nacht einen sehr schlimmen Albträum, dass ich mich einfach nicht mehr traute, schlafen zu gehen. Ich bin 24 und weiblich. Den Tag vor dem Albtraum war ich bei meiner Freundin in Lüneburg mit ihren Freunden, die ich zum ersten Mal kennenlernte. 2 Dinge ließen mich aber schon nach einem Tag frühzeitig wieder nach hause kehren
1. Ich fühlte mich sehr unwohl in der Gesellschaft ihrer Freunde, da sie einen Lebensstil pflegten, der größtenteils von Drogenrausch geprägt war. Obwohl ich selbst einmal eine solche Phase hatte, aber mich von dem Lebensstil komplett entfernt habe, erschütterte mich dieser Anblick und jagte mir ein großes Gefühl von Unwohlsein ein und Erinnerungen an meinen Gemütszustand, als ich selbst noch in der Phase steckte.
2. Ich habe vor einem Monat meinen Freund verlassen, den ich Anfangs genau da in Lüneburg traf und welcher auch nicht weit weg wohnte. Ich habe bis heute nicht erfahren können, warum er so gleichgültig während der Beziehung und auch, als ich ihn verließ, war und dass ich bis heute keine Erklärung bekam, woran es denn lag, dass er scheinbar nicht gerne mit mir zusammen war. Lüneburg machte mich sehr traurig, weil ich auch noch alles mit ihm verband. Als ich Heim kam, hat er auch das letzte "Band" unseres Kontaktmöglichkeit gekappt und ich fiel unter Tränen und einer enormen Trauer, durch das endgültige Ende und dass ich einfach nicht mehr Teil von ihm war, in den Schlaf.

Ich habe mich schon seit Monaten durch ihn sehr erniedrigt gefühlt und fühlte mich einsam. Außerdem war ich arbeitslos und ständig im Kampf, mich um einen Job zu bemühen und fühlte mich durch meine Beschäftigungslosigkeit immer wertloser. Ich überzog meine Kreditkarte maßlos und verfiel in eine Kaufsucht.
Jetzt habe ich aber seit 2 Wochen einen neuen Job.

Nun zu meinem Traum:

Ich befand mich im Traum bei Dämmerung in einem Bus und ich sah beim Vorbeifahren eine Freundin von mir, die ich aus Schulzeiten kenne und durch einen gemeinsamen Freundeskreis, mit der ich mich privat allein aber nicht unbedingt treffen würde. Sie bat mich auszusteigen, damit wir etwas unternahmen, aber der Bus fuhr weiter und ich hatte sie dann auch schnell aus dem Kopf. Plötzlich war es Tag und die Stadt war so spärlich bebaut. Ich sah vereinzelt Gebäude rum stehen und dazwischen ein großes Blickfeld auf dahinterliegende Gebäude. Also ein sehr weitläufiger Blick. Die Sonne schien. Plötzlich hörte man ein ganz lautes Dumpfes Geräusch, wie man sich so Schritte eines 20 Meter Riesen vorstellte. Ich saß am Fenster und schaute aus dem Bus und sah von der Ferne, wie ein riesen Bagger auf das Rathaus einschlug. Der Bagger war etwa 5 Meter hoch,und der Baggerlöffel etwa so breit und schlug mit einer enormen Wucht gegen den 3 Stock des Rathauses und man sah schon die Fassade bröckeln. Ich hoffte im Traum, dass die Fassade Stand hielt und in mir breitete sich eine extreme Angst vor dieser Macht des Baggers aus. Der dumpfe Ton ging durch Mark und Bein und der zog sich durch den gesamten Traum. Aus irgendeinem Grund zog ich aber mein Smartphone und filmte alles von der Ferne, während es mir aber eine solche Angst einjagte und der Busfahrer fuhr den Bus immer weiter weg. Irgendwann standen wir an einer Ampel und ich sah, dass der Bagger direkt neben uns stand, und ich konnte hineinsehen und drin saßen etwa zwei 5-6 jährige männliche Zwillinge und grinsten frech. Daraufhin stürmten wir alle aus dem Bus in ein Restaurant und versteckten uns unter den Tischen und plötzlich war auch meine damalige beste freundin aus Teenager-Jahren neben mir. Wir gingen damals nicht gut auseinander, falls das wichtig ist. Wir taten aber aus Not so, als wäre nichts, da die Panik größer war. Als wir dachten, dass es aufgehört hatte und wir nichts mehr hörten, verabschiedete sich der Busfahrer von uns allen und meinte, er sei vom Bügermeister ausgezeichnet worden für seine Tapferkeit. Nun verließen wir alle das Restaurant und ich ging mit meiner früheren besten Freunde ein paar Meter mit meinen Shoppingtüten in der hand, bis das Geräusch von vorn los ging und wir sahen, wie in 50 Meter Entfernung der Bagger ein Hausdach aufstieß und die Menschenmenge mit dem Baggerlöffel griff und sie durch die Luft schleuderte.


da wachte ich schließlich auf. Und ich hatte eine riesen Angst wieder einzuschlafen, weil sich dieser Ton einfach in meinen Kopf eingebrannt hatte und ich eine so große Angst vor dieer großen Macht des Baggers hatte.

Das war sehr viel Input, aber ih hoffe jemand kann mir irgendwie helfen,mir zu erklären, was es bedeuten könnte
Danke im Voraus!
Zuletzt geändert von easyamy9 am 05.05.2019, 19:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutung einer meiner Albträume

Beitragvon plush » 05.05.2019, 19:02

Hallo easy!

Träume stellen Botschaften des Unbewussten dar, die über Deine innere Situation berichten, die aber ausgelegt werden müssen. Dafür versetze Dich bitte nochmal in die Handlung Deines Traumes und suche eine Überschrift, die zu seiner Dramaturgie gefühlsmäßig passt, am besten eine poetische, so wie die Dichter für ihre Werke machen. Kannst Du Unterkapitel entdecken? Gegebenen Falls setze ihnen eigene Überschriften auf...

Im nächsten Schritt geht es um die einzelnen Symbole Deines Traumes

(Das Folgende ist ein Universal-Schema, gedacht, jedem sich neu meldenden Träumer ein kleines How-To zu vermitteln, das ihm helfen soll, seinen Traum vorzubereiten auf den anschließend von mir unternommenen Versuch, den Traum zu deuten. Versuche bitte, das Schema auf Deinen Traum anzuwenden, auch wenn in ihm gar keinen "Personen" vorkommen, sondern vielleicht nur ein Tier oder leblose Gegenstände.)

Von Personen, die Du kennst, erstelle bitte Charakterportraits, die ihre Vorzüge und negativen Seiten beleuchten, so dass man sich eine Vorstellung von ihnen machen kann. Wo vielleicht unbekannte Personen auftauchen, da skizziere sie nach ihrem Alter und Aussehen, Haarfarbe, Gesichtsausdruck, Haltung usw. Überlege auch, an wen, oder an was für ein Ereignis sie Dich erinnern könnten, oder hier: was Du mit zwei Zwillingsbrüdern (5 bis 7 Jahre alt) am ehesten verbindest. (Ist Dir das schriftlich zu aufwändig, oder weißt nicht genau, was tun? Dann lass uns lieber skypen.)

Für die nicht-personalen Symbole gilt, dass Du bei jedem für sich beschreiben sollst, wie es funktioniert, was es tut, woher es stammt (entsteht oder hergestellt wird) und wozu es sich selbst oder seinem Nutzer dient. Das wäre hier vor allem das Symbol Rathaus.
Ob Deine Einfälle wissenschaftlich richtig sind oder nicht, ist unwichtig. Auf keinen Fall schau in einem Lexikon nach.

Ein Beispiel, um Dir das „Freie Assoziieren“ besser nachvollziehbar zu machen:

Ein Junge träumte, er wurde von einem Arzt untersucht; der stellt fest: ein Organ liegt schief und soll operiert werden. Darnach schickt er ihn ein Stockwerk höher, um von drei anderen Ärzten seine Nase untersuchen zu lassen; sie entdecken Polypen, die sollen vorher operiert werden.

Dieser Traum hat 5 Symbole, die der Junge beschrieb wie folgt:

Ärzte: Sie haben Gesundheitsmodelle, die erlauben, Krankheiten zu erkennen.
.......................Gesundheit: Naturzustand

Organ: Körperbestandteil, das man braucht zum leben.
..........Körper: Ein Teil der Seele, die auch einen Geist hat.
......... Geist: Der Seelenteil, der gesundes und krankes unterscheidet.

operieren: Eingriffe machen, die die Heilung fördern.

Nase: zum Luft holen und Riechen
.............Luft: ein lebensnotwendiger Stoff.
.............Riechen: Qualität der Nahrung prüfen.

Polypen: Verstopfen die Nase.

Wie Du siehst, beim Beschreiben der ursprünglichen 5 Symbole tauchen neue auf, die auch definiert und beschrieben werden sollen. Je mehr "Freie Assoziationen", um so besser.. Seinem Traum gab der Junge die Überschrift "Unangenehme Überraschung".

Ich freue mich auf Deine Vorbereitungen!
Herzlichst, Plus
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Re: Kleine laute Macht

Beitragvon Picadora » 06.05.2019, 12:43

Hey easyamy,

vielen Dank für die ganzen Infos zu Dir u. Deiner Lebenssituation und zu den Ereignissen am Vortag, die mit ziemlicher Sicherheit diesen unangenehmen Traum ausgelöst haben.

Wie Du selbst schreibst, haben Dich diese Ereignisse ziemlich erschüttert - und genau das erlebst Du dann im Traum nochmal, d.h. Dein Unbewußtes hat versucht hier ein Stück weit das alles zu verarbeiten.
Das Hauptthema im Traum ist ja dieser Bagger, der so eine laute Bedrohung darstellt, der die Häuser zerstört und am Ende sogar Menschen aufgreift u. fallenlässt. Es ist ein etwas eigentümliches Traumsymbol und ich denke der Traumverlauf ist eine Kombination aus den Erkenntnissen, die Du da hattest am Vortag: diese Gefahr durch Einnahme von Drogen u. was das mit Menschen macht (ein gefährliche Macht!) Drogengeschichte sowie Dein Gefühl des Fallengelassen werdens durch Deinen Ex (der Bagger greift am Ende Menschen auf u. lässt sie fallen!).

Vielleicht ist Dir da am Vortag nochmal deutlich bewußt geworden, was Drogen bewirken können - im Traum siehst Du das Ganze ja aus einer gewissen Distanz (die Stadt u. was mit dem Rathhaus da geschieht, aus der Ferne), also aus der heutigen Distanz heraus blickst Du sozusagen auf einen Lebensstil, den Du selbst eine Zeitlang hattest und der tatsächlich zerstörerisch wirken kann.
Ein Bagger gräbt eigentlich schlammige Stellen im Erdreich aus, das ist ein Hinweis auf einen unsicheren Stand im Leben (kein fester Boden) - gleichzeitig auch auf diese Drogengeschichte, die, wie es klingt bei Dir zu einer Reihe an unglücklichen Ereignissen geführt hat oder zumindest dann im Verlauf nach sich gezogen hat. Nun hast Du zwar wieder einen gewissen festen Stand (Abkehr von den 'Süchten' auch das Einkaufen gehört dazu), doch die Bedrohungen lauern immer noch direkt vor Dir: der Freundeskreis dieser Freundin und eben, dass mit Deinem Freund Schluss ist. Klingt so, als hättest Du Dich stark an ihn gebunden oder Dich an ihm festgehalten, in der Zeit dieser unschönen Lebensereignisse: so als wäre er Dein Zentrum gewesen im Leben, als hättest Du sonst nicht mehr viel gehabt, dass Dich hält (diese relative Weite u. Leere in der Stadt).
Nun schlägt der Bagger da bei Dir direkt ins Zentrum ein und zerstört die Fassaden: damit ist wohl einerseits Deine Erkenntnis gemeint, Du erkennst die Gefahren nun, da Du sie erlebt hast (und selbst im Verlauf viel zerstörendes erlebt hast) - gleichzeitig ist damit sicher auch die Trennung von Deinem Freund gemeint.
Eine wirklich schwierige Situation, in der man leicht wieder ins Wanken kommen kann und gerade wenn man sich noch in diesen Kreisen aufhält, es sozusagen ein leichtes wäre, sich wieder in die Drogen zu flüchten - wozu man ja neigt, wenn es einem nicht gut geht.
Ich schätze schon, dass irgendwo bei Dir noch ein Reiz da war, genau das zu tun - doch Du bist stark geblieben u. hast Dich Deiner Erschütterung gestellt sozusagen und bist weggegangen u. hast Dich nicht wieder verführen lassen. Deshalb erhält der Busfahrer im Traum (ich denke das bist Du selbst) auch eine belohnende Anerkennung im Traum. Trotz allem Reiz ('anbaggern' sagt man auch), hast Du Dich nicht darauf eingelassen.
Entsprechend entkommst Du im Traum auch erstmal der gefährlichen Macht.
Doch es geht ja noch weiter: am Ende greift der Bagger Menschen auf und lässt sie fallen - so fühlst Du Dich ja: fallengelassen durch Deinen Ex.
Allerdings haben Traumsymbole immer einen sehr komplexen Inhalt, der häufig paradox wirkt: denn Du bist aus der gefährlichen Situation rausgekommen und hast daher genaugenommen selbst was fallengelassen: die Drogen.

Dass da kleine Jungs im Bagger sitzen u. all diese Zerstörng auslösen, deutet das kindliche Verhaltensmuster an, dass hinter all diesen Dingen liegt: Drogen zu nehmen ist letztlich ein 'kindlicher' Ausweg aus Situationen, der ein zerstörerisches Verhalten nach sich zieht - aber auch Dein Ex verhält sich auf gewisse Weise kindlich, indem er Dir keine Auseinandersetzung bietet (kein sehr erwachsenens Verhalten), sondern Dich eben einfach fallen lässt.

Ein sehr komplexes Traumbild, aufgrund dieses Aufeinandertreffens all dieser Ereignisse. Und ziemlich laut und deutlich hat Dir Dein Unbewußtes da klar gemacht, was Du nochmal 'durchgemacht' hast.

Letztlich ist da viel 'zerstört' worden, in Dir - aber gleichzeitig hast Du es auch geschafft, wieder Fuß zu fassen, in Deinem Leben, Du hast Dich von dieser Macht (der Süchte) eben nicht völlig zerstören lassen. Du hast die Kraft Dir Dein Leben wieder neu aufzubauen.
Manchmal muss man sich leider erst von allem verabschieden, um wieder neu anfangen zu können.

Hoffe ich konnte Dir das in Kürze halbwegs verständlich erläutern. Falls Du Fragen hast, nur zu.

viele Grüße erstmal,
Picadora
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