Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

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Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon hanadul » 04.02.2019, 21:50

Hallo

Ich bin weiblich, 25 Jahre alt . Im Moment habe ich bezüglich Arbeit und auch Familie Schwierigkeiten. Ich wurde Jahrelang wegen depressiver Episoden behandelt. Ich befinde mich schon seit zwei Jahren nicht mehr in Behandlung und das lauft bis jetzt ganz gut.

Zu meinem Traum:

Ich bin unterwegs zu einem Zahnarzttermin und fahre mit dem Bus dorthin. Neben mir sitzt ein junger Mann. Er ist ungefähr in meinem alter. Wir kommen ins Gespräch und er verrät mir, dass er meine Schwester kennt und zusammen mit ihr Psychologie studiert. (Meine Schwester studiert wirklich Psychologie) Er möchte meine Psyche analysieren. Auch fände er es interessant, mich mit meiner Schwester zu vergleichen, weil wir ja unter gleichen Umständen aufgewachsen sind. Ich fand das sehr merkwürdig.

Dann gibt es einen Sprung und ich befinde mich auf einen Markt, dem türkischen Bazar sehr ähnlich. Ich merke, dass ich viel zu früh für den Termin bin und entschliesse ein wenig rum zu laufen. Da kommt ein Rudel kleiner Hunde/Welpen auf mich zu und sie laufen um meine Beine. Ich kann wegen ihnen nicht weiter. Ich habe aber keine Angst, weil sie klein und recht niedlich sind. Irgendwann gehen sie dann. Ein Fremder sagt mir, dass meine Hose ein Loch hat. Und tatsächlich haben die kleinen Biester (jetzt bin ich wütend auf sie) ein riesiges Loch in die Hose gebissen. Gemerkt habe ich das vorher nicht. Ich entscheide mir eine neue Hose zu kaufen und gehe in einen kleinen Laden. Ich kaufe eine schwarze Hose und mir wird ein T-shirt aufgeschwatzt. Dann sehe ich auf die Uhr und merke, dass ich schon eine halbe Stunde zu spät für den Termin bin.

Ich gehe trotzdem zur Praxis. Dort angekommen merke ich, dass eine "Spiel" am laufen ist. Es ist wie ein Viedeospiel nur im realen Leben. Ziel ist es zu Überleben, indem man andere Spieler erschiesst. Ich habe absolut keine Ahnung, wie das Spiel funktioniert. Ich finde nur heraus, wie ich Eisbälle erschaffen und diese werfen kann. Alles, was mit ihnen in Berührung kommt, erfriert. Irgendwann wird bekannt gegeben, dass es noch zwei Spieler gibt und ich bin einer von ihnen. Der andere Spieler findet mich bald. Ich kann mich in ein Zimmer flüchten und halte die Tür zu. Es ist eine Glastür, sodass ich ihn noch sehen. Die Tür kann nicht abgeschlossen werden. Der andere Spieler kann Feuerbälle werfen und das tut er auch. Ich kann sie mit meinen Eisbällen neutralisieren. Mir wird bewusst, dass ich das Spiel nicht gewinnen kann. Hier wache ich auf.
hanadul
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon Almuth » 05.02.2019, 11:05

Hallo Hanadul,
Beginn und Ende eines Traumes zeigen meist, was der Inhalt, die Info des Traumes sein soll.
Dein Traum bietet einen kleinen Einblick in deine Psyche.

Du willst zum Zahnarzt. Der symbolisiert das Bestreben, seinen „Biss“, den man für alles braucht im Leben, heilen zu wollen. Arzt heilt Seele, egal welcher. Du willst also eigenständig, selbstbestimmt und vor allem mit innerer Stärke die Anforderungen des Lebens bewältigen können.
Dorthin fährst du mit dem Bus. Das ist das Symbol für den gesellschaftlichen Weg, den wir alle miteinander gehen. Da du real behandelt wurdest, wie du schreibst, ist dir diese Form der Therapie gut bekannt. Es gibt neben dem Wissen der Schulmedizin aber auch noch die Selbstheilung. Eigentlich ist jede Heilung eine Selbstheilung.
Und wie diese gesellschaftlich akzeptierte Form der Heilung aussieht, das hast du dir mit dem Jungen Mann vor Augen geführt.
Man braucht erstmal die Legitimation eines Fachstudiums (ich sage nichts dagegen). Und weiter ist der Arzt oder eben der Studierte die handelnde Person. Nicht der Patient selbst, ausdrücklich nicht. Der lässt mit sich machen.
Dass er dich vergleichen will, das ist eine von vielen Theorien in der Psychologie. Ist eine
Methode, die Psyche des Menschen von außen betrachten zu können. Denn die Wissenschaftler haben nur das Außen.
Dir kommt das merkwürdig vor, und das ist eine kleine Andeutung deinerseits, dass dir bei deinen Therapien manches halt merkwürdig, sprich kopflastig konstruiert, vorkommt.

Auf dem Markt bist du im gesellschaftlichen Außen, dort spielt das öffentliche Leben.
Haustiere, besonders Hunde, werden geliebt, und zwar bedingungslos im Unterschied zur Liebe zu einem Menschen. Die ist durchaus mit Bedingungen verknüpft.
Deshalb stehen Hunde für die Liebe oder besser für die Fähigkeit zu lieben. Kleine Hunde lassen die Liebesfähigkeit besonders hoch schlagen. So wie bei dir. Aber die Begegnung mit etwas (in deinem realen Leben), das du lieben könntest, bremst dich aus, du stagnierst für den Moment. Nachdem sich diese Begegnung von selbst erledigt hat, stellst du einen erheblichen Schaden fest an dir. Die Kleidung symbolisiert die Art und Weise, sich seinen Mitmenschen zu zeigen. Es ist das Selbstbild, das man anderen und auch sich selbst zeigt.
Nun bist du wütend. Heißt, das was du eigentlich lieben möchtest und – zumindest vorübergehend - auch lieben kannst, macht dich letztlich wütend. Es fügt dir einen realen oder vermeintlichen Schaden zu. Den nimmst du deutlich wahr.
Diesen Schaden an deiner Person bringst du aus eigener Kraft in Ordnung. Aber, wie das so ist, andere Menschen, mit denen du rein zufällig zu tun hast wie ein Verkäufer, können mit dir was machen. Die anderen Menschen um dich herum haben eine gewisse Macht über dich. Du lässt dich beschwatzen, manipulieren und so was. Und merkst erst hinterher, was da mit dir geschehen ist.

Die letzte Szene verdeutlicht das dann ganz klar. Beim Zahnarzt, wo du eigentlich deine Fähigkeit zur Selbstbestimmung regeln lassen willst, gerätst du in das „Spiel“ anderer, dir fremden Menschen.
Und du bist sofort mittendrin ohne dich zu fragen „Will ich so was oder will ich das nicht?“.

Es ist nicht dein Spiel, du kennst die Regeln nicht wirklich, aber scheinbar hast du keine Wahl. Du musst.
Das ist recht deutlich das Bild für „Überall und immerzu gestalten andere Menschen mein Leben. Ich spiele deren Lebensspiel mit und merke das noch nicht mal. Ich meine, das Leben ist wohl so.“

Und klar, du kannst dieses Spiel nicht gewinnen.

Interessant wären noch die Eisbälle, die du zur Verteidigung wirfst. Eisbälle sind kalte, eisige Gefühle, mit denen du reagierst, mit denen du dich schützen und die Übergriffe anderer Menschen abwehren willst. Feuerbälle, heiße und leidenschaftliche Gefühle, hast du nicht.
Die Eisgefühle lassen aber auch dich selbst erfrieren.

Schau dir jede Szene noch mal an. Auf Schritt und Tritt lässt du mit dir machen, geschieht dir etwas, was andere geschehen lassen.
Dein langer Weg zum Zahnarzt, du hast ihn noch vor dir. Aber kein noch so fähiger Arzt kann etwas in deiner Psyche „reparieren“.
Solange eine Heilung, insbesondere bei psychischen Handicaps, der Erfolg eines anderen Menschen ist, solange ist man nicht wirklich geheilt.
Was natürlich nicht heißen soll, das man nicht die Hilfe und Anleitung von Therapeuten in Anspruch nehmen soll – selbstbewusst und selbstbestimmt.
Herzliche Grüße Almuth
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon hanadul » 05.02.2019, 14:38

Hallo Almuth

Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Ich konnte selbst ziemlich wenig mit dem Traum anfangen, aber mit der Deutung macht es schon viel mehr Sinn.

Zum jungen Mann: Ich glaub, ich hab das nicht gut erklärt. Ich fand es merkwürdig, weil so etwas im realen Leben nicht passiert. Ich habe an der Situation gezweifel. Manchmal merke ich im Traum, dass ich träume indem mir die Merkwürdigkeit der Situation bewusst wird. Ich nehme mal an, dass es deswegen dann einen Sprung/Szenenwechsel gab.

Zu den Hunden: Für mich gibts zwei Möglichkeiten, worauf es sich beziehen könnte. Die erste: Eine Freundin hat vor kurzem mein Vertauen missbraucht, was mich klar wütend macht. Auch zweifle ich an unserer Freundschaft und frage mich, ob das nicht nur Mittel zum Zweck war. Die zweite Möglichkeit bezieht sich auf meinen 12 Jahre alten Bruder. Er ist Autist und braucht viel Aufmerksamkeit. Ich liebe ihn über alles und verzichte auf vieles für ihn. Ich bin nicht wütend auf ihn, sondern eher auf meine Familie. Ausser mir kümmert sich niemand um ihn bzw. sehr wenig.

Zum Spiel: Da habe ich nichts hinzuzufügen. Die Deutung passt sehr gut.

Vielen Dank nochmal
Grüsse Hanadul
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon Picadora » 05.02.2019, 18:24

Hey hanadul,

Almuth hat Deinen Traum bereits sehr ausführlich gedeutet. Daher nur noch ein paar kleinere Anmerkungen von meiner Seite.

Ich denke auch, dass es insgesamt um die Frage Deines Selbstbewußtseins geht, und wie Du damit so in Deinem Leben umgehst, in Deinem Traum.
Bei der Szene mit dem jungen Mann, im Bus, habe ich mich gefragt, ob Du Dich selbst nicht insgeheim mit Deiner Schwester vergleichst? Es klingt ein wenig so.
Vielleicht erlebst Du sie als selbstbewußter, zielsicherer oder einfach etwas 'sicherer' im Umgang mit ihrem Leben - als Du Dich selbst erlebst?

Szenenwechsel in Träumen sind nichts außergewöhnliches - Träume weisen uns gerne, auf verschiedenen Ebenen, auf unsere unbewußten Schwierigkeiten hin und arbeiten sehr bildhaft.
Die Basarsituation kann man auch als Deinen 'inneren Ort' verstehen. Es beschreibt Dich und Dein Verhalten: da wirkst Du sehr offen, neugierig, spielerisch, aber auch leicht ablenkbar.
Die kleinen Hundewelpen kann man auch als Deine Instinktnatur ansehen - die noch nicht sehr ausgereift wirkt. Welpen müssen ja erst lernen, wie man sich 'sozial' richtig verhält. Sie vertrauen noch jedem, sind spielerisch und neugierig und begehen durchaus Fehler - was aber verständlich ist, da sie noch nicht viel Erfahrung haben. Sie können Dich noch nicht schützen, da sie dies noch nicht gelernt haben.

Deine anschließende Wut auf sie - da sie Dir die Hose zerissen haben - drückt also letztlich eine Art Wut auf Dich selbst auf. Vielleicht weil Du nicht achtsam genug bist oder warst, Dir selbst gegenüber. Möglicher Weise hinsichtlich dieses Streits mit Deiner Freundin.
Ich weiß nicht, ob Dir diese Wut von 'außen' aufgeschwatzt wurde - oder Dir jemand von 'außen' sozusagen die Augen geöffnet hat, über diese besagte Freundin. Wichtig wäre nur, Dich nicht in irgendeine Rolle drängen zu lassen - oder in ein Gefühl, das nicht Du bist.

So wie Almuth schon richtig bemerkt hat, Du Dich auch in dieses Spiel da am Ende gedrängt fühlst. Du machst halt mit, in diesem Spiel (im Leben?) - aber so richtig klar wird nicht, ob Du das willst oder nicht. Du fühlst Dich da eindeutig überfordert von diesem Spiel, bei dem es um Angriffe und Gegenangriffe geht und anscheinend ums Überleben (obwohl es nur ein Spiel ist!!)

Vielleicht sagt Dir jemand - oder Du es Dir selber: Du musst härter (oder stärker) werden - Du musst Dich wehren, Du bist zu gutmütig etc. etc. Da ist viel Abwehr in Dir zu erkennen und eben auch Wut.
Doch Du erkennst am Ende, dass dieses Spiel nichts bringt. Es ist nicht Deine Art und Weise zu leben.

Vergleich Dich nicht mit anderen. Auch wenn Du das Gefühl hast, weniger selbstbewußt und sicher zu sein - das bist Du. Und Du bist einzigartig und gut, so wie Du bist!

viele Grüße
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon Almuth » 06.02.2019, 10:36

Hallo Hanadul,
danke für die Antwort.

Der junge Mann: Die Merkwürdigkeit der Situation bezieht sich darauf, dass er dich mal eben therapieren will? Weil es in einem Bus geschieht?
Wenn man im Traum bemerkt, dass man träumt, dann ist das schon eine Schritt hin zu größerer Bewusstheit, also am Tage. Es ist eine Eigenschaft, die du dir erworben bzw. erarbeitet hast. Ist wohl ein Ergebnis längerer Therapiearbeit. Du kannst dich selbst gut wahrnehmen, zeigt das. Natürlich auch am Tage.

Die Hunde beziehen sich letztlich auf alles und jede Person, der du dich emotional verbunden fühlst, die deine Zuwendung bekommt. Du hast erlebt, dass so was für dich selbst letztlich schlecht ausgeht. Man fügt dir einen Schaden zu. Und eben das ist es, was du dir bewusst machen willst, um deine Grenzen abstecken zu können. Auch der liebste Mensch darf dir nur so nahe kommen, wie du es zulässt.
Ausnutzen, benutzen, du hast so was mit dir machen lassen und vielleicht geschieht es noch immer.

Melde dich mal wieder, würde mich freuen, Almuth
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon hanadul » 06.02.2019, 14:52

Hallo

Ich hab mich sehr über eure Antworten gefreut. Finde es interessant, wie man Träume so deuten kann.

@ Almuth
Ja, die Situation ist merkwürdig, weil er mich plötzlich therapieren will, obwohl wir uns gerade erst kennengelernt haben und es im Bus passiert. Normalerweise fahre ich auch nicht mit dem Bus.

@Pica
Zum Vergleich mit meiner Schwester: Ich glaube es geht darüber hinaus. Ich beschäftige mich schon lange mit der Frage, weshalb gewisse Menschen psychiche Schwierigkeiten entwickeln und andere nicht, obwohl sie das gleiche erleben. Ich und meine Schwester sind beide Kriegskinder. Ich habe ein Trauma entwickelt, sie nicht. Ich denke der Vergleich im Traum ist also Stellvertretend für diese Frage auf die ich und viele andere noch eine Antwort suchen.

Zum Basar: Ich glaube nicht, dass der Basar mein Verhalten wiederspiegelt. Ich bin zwar sehr neugierig, aber ziemlich verschlossen und misstrauisch im Umgang mit Menschen (wirkt jetzt wahrscheindlich anders, aber im allgemeinen Leben ist das so). Das gleiche gilt auch für die Welpen, ich war immer schon sehr reif für mein Alter und wurde auch immer so von anderen wahrgenommen. Mein Therapeut meinte immer ich hätte ein geistiges Alter von einer 60 Jährigen. Es gäbe nichts, dass mich schocken würde und nichts auf das ich keine Lösung finden würde.

Zum Spiel: Ich glaub auch, dass es ums Leben geht bzw. wie ich es erlebe. Im Traum muss ich mitspielen, denn ich kann nicht weg und wenn ich mich nicht verteidige, werde ich getöttet. In meinem Leben war das lange so, ich war in einer ständigen Ausnahmesituation, zuerst der Krieg dann wurden Menschen krank und andere starben. Und solange das so anhielt, hab ich mich angepasst, habe alles gemacht, um mich und andere um mich herum zu schützen. Erst als es eine art Verschnaufpause gab, hab ich gemerkt, wie ansträngend das ist und Zweifel bekommen, ob ich das schaffe.

Ich hoffe ich konnte auf all eure Deutungen eingehen. Vielen Dank nochmals für die Hilfe.

Grüsse Hanadul
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Re: Zahnarzt, Hunde und Spiel ums Überleben

Beitragvon Picadora » 06.02.2019, 18:13

Hey hanadul,

danke für Deine Rückmeldung.
Was Du beschreibst

Ich beschäftige mich schon lange mit der Frage, weshalb gewisse Menschen psychiche Schwierigkeiten entwickeln und andere nicht, obwohl sie das gleiche erleben. Ich und meine Schwester sind beide Kriegskinder. Ich habe ein Trauma entwickelt, sie nicht. Ich denke der Vergleich im Traum ist also Stellvertretend für diese Frage auf die ich und viele andere noch eine Antwort suchen.


passt tatsächlich genau zu dieser Ausgangssituation im Traum - der Szene mit dem jungen Mann. Er ist symbolisch dieser Anteil in Dir, der sich fragt, wie das geschehen kann - warum die Psyche der Menschen so unterschiedlich mit vermeintlich denselben Sachverhalten umgeht.
Danke für diese Klärung.

Auch wenn Du es nicht so siehst - und sicherlich aufgrund all dieser schrecklichen Ereignisse in Deinem Leben viel zu früh 'reif' sein musstest, glaube ich nach wie vor, dass der Basar und die Welpen ein Teil Deines Wesens darstellen.Eben diesen jungen, verspielten Teil in Dir, der bislang einfach nicht ausgelebt werden konnte. Der keine Chance hatte ausgelebt zu werden.
Jeder von uns trägt ein kleines Kind in sich und all die Bedürfnisse und Wünsche, die dem Kind - das wir mal waren - vorenthalten worden sind (warum nun auch immer, seien es belastende Familiensituationen oder traumatische soziale oder gesellschaftliche Umstände). Irgendwann - meist so um die Zeit vor dem 30.Lebensjahr - drängt dieses Kind in uns und all die unausgelebten Bedürfnisse nochmal in den Vordergrund und wir haben die Chance einen Teil von uns zu erkennen und zu heilen.

Vielleicht ist das auf gewisse Weise auch eine Antwort auf Deine Frage. Geschwisterkinder mögen vielleicht dieselben Dinge erleben, doch - gerade wenn ein Altersunterschied besteht - nehmen sie die auf andere Weise wahr. Das kann zum einen an der charakterlichen Prädisposition liegen, zum anderen aber auch an den nicht exakt gleichen Umständen.
Ich weiß nicht ob Deine Schwester jünger oder älter ist - vielleicht bist Du die Ältere und hast deshalb schon viel mehr Verantwortung tragen müssen und auch übernommen und viel mehr Belastendes mitgekriegt. Und warst deshalb überforderter mit der Situation (auch wenn das erst im nachhinein, durch das Trauma deutlich wurde).
Vielleicht ist es auch umgekehrt u. Du hast schon in viel jüngeren Jahren viel heftigere Dinge erlebt und warst dadurch stärker belastet.
Auch Eltern und das weitere familiäre Umfeld spielen eine Rolle - manchmal sind während der Entwicklung des einen Kindes noch andere Familienmitglieder da, die einiges abfangen können - während das andere Kind diesen 'Vorteil' nicht hat. Und deshalb stärker belastet ist.

Vielleicht hast Du ja Lust dazu - es gibt zahlreiche Bücher, die sich mit dem inneren Kind und dem Zugang dazu beschäftigen. Könnte Dir helfen, doch noch mal zu schauen, ob da unter der 60jährigen nicht doch auch kindliche Bedürfnisse versteckt sind, die es sich lohnt, hervorzuholen und zu entdecken.
Vielleicht versuchst Du diese Bedürfnisse ja immer noch - nach gewohnt vertrautem Lebensspiel - zu neutralisieren?!


viele Grüße
Pica
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