Durchgängiges Traumthema

Hier können sich Besucher untereinander Träume posten und helfen, diese zu deuten.

Moderator: Mirakulix

Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Kuenleg » 05.01.2019, 19:16

Hallo!
Ich bin männlich, 50 Jahre alt. Ich möchte nicht nach einer Deutung für einen einzelnen Traum fragen, sondern eher nach einem "übergeordneten" Phänomen. Ich träume zwar in jeder Nacht andere Träume (keine wiederkehrenden!), aber mit ganz wenigen Ausnahmen befinde ich mich bei jedem Traum, den ich den letzten Jahren (es muss sich um mindestens 10 Jahre handeln) erinnert habe, an mir fremden Orten, d. h. auf Reisen (oft in Fahrzeugen, Zügen, U-Bahnen, Bussen etc.), in Hotels oder "Jugendherbergen", in mir völlig fremden Städten, fremden Landschaften (oder dem Namen nach vertrauten, aber auch dort in der Traumwirklichkeit unbekannten Gegenden, oft wandernd), kurz ich träume seit unbekannt langer Zeit nur vom Reisen - der Rest der Handlung ist meist irgendwie trivial oder behandelt andere Themen, die ich kenne oder verstehen kann - aber die Kulissen sind immer irgendwo, wo ich niemals war und anscheinend auch im Traum nicht zuhause bin.

Ich verreise tatsächlich ein, zwei oder drei Mal im Jahr, aber weder habe ich einen reisenden Beruf noch hat Reisen sonst eine besondere Bedeutung in meinem Leben. Ich habe allerdings das Grundgefühl, immer "unterwegs zu sein" zu neuen Ufern auch im wirklich Leben, nie irgendwo angekommen zu sein oder anzukommen. Heißt das nun, ich habe den Wunsch nach "unterwegs sein" und "Neues entdecken" noch nicht richtig ausgelebt oder ist es einfach so selbstverständlich für mich, dass sich mein Unbewusstes keine andere Existenzform vorstellen kann als eine "reisende"???
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Almuth » 06.01.2019, 10:29

Hallo Kuenleg,
Ich habe allerdings das Grundgefühl, immer "unterwegs zu sein" zu neuen Ufern auch im wirklich Leben, nie irgendwo angekommen zu sein oder anzukommen.
Ja, und damit bist du nicht allein.
Deine Reisen im Traum bedeuten aber nicht nur, dass du eben in der Realität gern reisen willst und es auch tust. Dass du diesen Wunsch nicht richtig auslebst, wie du vermutest.
Unser Leben ist eine lange Reise. Wir haben einen Lebensweg. Und der ist geistig-seelisch zu verstehen.
Deine verschiedenen Traumorte stehen dann für die verschiedenen Stationen, für die „neuen Ufer“, an denen du immer mal wieder ankommst. Um nicht dort stehen zu bleiben, sondern im übertragenen Sinne weiterzureisen, deine seelische Entwicklung voran zu treiben.
Und wie gesagt, so träumen viele Menschen.

Natürlich kennst du die Orte nicht, natürlich sieht es immer wieder anders aus und natürlich bleibst du nirgendwo. Es geht immer weiter. So lebst du und so träumst du.

Die Fahrzeuge symbolisieren dabei deine jeweilige Art und Weise zu reisen. Mal schneller oder langsamer, mal zusammen mit anderen Menschen, denn das Leben ist ein Gemeinschaftsunternehmen.

Schau dich um in deinem nächsten Traum. Du erkennst symbolisch, wo du gerade stehst in deinem geistigen Reifeprozess, welche Aufgaben du bewältigen willst, welche Erfahrungen du machen willst, aus denen du dann deine Eigenschaften und deine Charakteristik gestalten kannst.

Vielleicht bringst du ja mal einen solchen Traum hier.
Herzliche Grüße Almuth
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Picadora » 06.01.2019, 16:12

Hey Kuenleg,

es klingt so, als seist Du 'auf der Suche' - nach einem Sinn oder Ziel, nach einer Heimat, das kann ein Ort sein oder ein Mensch oder etwas eben, das Dir Sinn und Zufriedenheit vermittelt.
Scheinbar bist Du dort noch nicht angelangt.

Meiner Meinung nach ist nichts, das in Träumen auftaucht trivial oder unwesentlich. Selbst das Kleinste Symbol oder die noch so banalste Handlung hat eine Bedeutung.
Ja, vielleicht magst Du mal einen Traum hier posten, vielleicht kann Dir das weiterhelfen

Grüße Pica
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Kuenleg » 14.01.2019, 11:46

Ok, ich poste einfach mal den letzten Traum von heute Nacht, vielleicht kann jemand etwas damit anfangen: Ich sitze neben Dieter Hallervorden auf einem erhöhten Wagen (wie ein Triumphwagen oder ein Karnevalswagen, sehe das Ganze aber nur von oben aus meiner Position), eigentlich ist das ein Filmdreh, mit Mikrofon und Kameras vorne aufmontiert und der Wagen fährt den Kudamm in berlin entlang und die Leute starren uns an und fragen sich: Ist das nicht Dieter Hallervorden da oben. Nächste Szene: Ich bin in einem alten Propellerflugzeug aus den 50er jahren. Joachim Fuchsberger scheint eine Führung mit uns zu machen (wer uns ist, ist nicht klar), bei der er erklärt, dass die Stewardessen damals die medizinische Versorgung an Bord mittels Karten vornahmen, auf denen die Indikationen für alle vorrätigen Medikamente standen. Sie liegen dort aus und ich nehme mir eine mit, habe das Gefühl, einen großartigen Wissenszuwachs oder so dadurch auf leichte Weise erhalten zu haben und erzähle das Ereignis später ganz stolz irgendjemandem. Dann fahre ich eine längere Rolltreppe hinauf (...hier fehlt etwas...). Nun befinde ich mich in einer sehr zerklüfteten Hügellandschaft mit irgendeinem anderen Mann. Wir haben beschlossen, dort wohnen zu wollen (unklar, ob ein Haus bauen oder zelten etc.). Wir suchen uns einen Platz, der geschützt und schön sein soll. Im Hintergrund sehen wir eine WOhnanlage. Wir besichtigen sie. Es handelt sich um ein modernes Appartmenthaus mit vielen Stockwerken und pflanzenbewachsenen Balkonen, die aber alle direkt über einem sehr tiefen Abgrund gebaut sind. Ich sehe, wie sich Bewohner über die Balkone hinweg únterhalten und denke so etwas wie: Die fallen da nicht hinunter in die Tiefe, weil sie das hier gewohnt sind und es gefällt mir hier. Später komme ich dorthin zurück, es gibt offenbar eine Ausstellung für neue Mieter. Man muss allerdings dorthin eine ungeheuer steile Treppe hinauf, auf der sogar noch mannshohe Absätze zu überwinden sind. Mein Mutter, die nun auch hier ist, schafft es mühelos, während ich schon nach den ersten Stufen Angst vor der Höhe bekomme und wieder nach unten klettere. Ich sehe noch durch die Fensterscheibe hindurch mehrere hübsche Einfamilienhäuser, die zum Verkauf stehen. Das wars.
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Picadora » 14.01.2019, 13:45

Hey Kuenleg,

ich möchte Dich hier nochmal auf Mirakulix post verweisen: Hinweise zum Posten von Träumen.

Außer Deinem Alter u. Geschlecht u. dem letzten Hinweis bzgl. Deiner wiederkehrenden Traumthemen, wissen wir leider nichts von Dir. Träume haben immer Auslöser, deshalb ist es zumindest ratsam, hier kurz anzugeben, was Dich am Tag zuvor beschäftigt hat bzw. welchen aktuellen Ereignisse Dich gerade so beschäftigen. Ansonsten bleibt jegliches Deuten ein extrem schwieriger Rate-Versuch, und unweigerlich vage.

Natürlich kann man immer so ein paar Grund-Themen oder Grundaussagen eines Traumes erkennen, doch ohne die Umstände des Träumers zu kennen, ist es recht schwierig u. kompliziert u. dazu noch massiv zeitaufwändig, zu greifen versuchen, um was es dabei geht. Also Dir und uns zuliebe, wäre es toll, ein paar mehr Infos zu haben.

Ein Grundthema, das sich durch Deinen Traum zieht, ist ja die Höhe:
erst sitzt Du erhöht auf dem Wagen - dann in einem Flugzeug (flog das oder nicht?) - dann geht es mit der Rolltreppe aufwärts, dann diese Wohnanlage (hoch) neben einem tiefen Abgrund, und am Ende Deine Angst vor der Höhe.

Im weitesten Sinne würde ich das - die Höhenthematik - erstmal als (sozialen oder/und materiellen) Aufstieg verstehen.

Auf gewisse Weise scheinst Du den vollzogen zu haben, in Deinem Leben. Vielleicht angespornt oder unterstützt vom Elternhaus (die Mutter am Ende).
Dennoch scheinst Du das selbst entweder nicht so richtig wahrzunehmen - oder zu schätzen - oder hast das Gefühl, dass das von Deinem Umfeld nicht wahrgenommen/geschätzt wird. Vielleicht auch: Du wirst nicht zur Gänze (heißt in Deiner gesamten Person) wahrgenommen. Was aber vielleicht auch mit Deinem Verhalten (bzw. Deinen Ängsten diesbzgl.) zu tun hat. Möglicherweise zeigst Du eben nur ein Teil von Dir nach außen - so klingt diese Szene am Anfang mit Dieter Hallervorden. Er ist berühmt, er wird gesehen, Du sitzt daneben, Du wirst nicht gesehen.
Also entweder stehst Du - durch Beruf oder was auch immer - irgendwie im Schatten von Anderen (oder nimmst es jedenfalls so wahr) - oder Du zeigst eben immer nur eine Seite von Dir nach Außen (wie Schauspieler, die man ja zwar zu kennen glaubt, doch deren private Seite kaum jemand sieht oder sehen kann)

Die Szene in dem Flugzeug kann ich nicht wirklich richtig 'fassen' - da wären ein paar Assoziationen von Dir hilfreich.
Irgenwie wirkt sie wie eine Art Rückblende auf mich - vielleicht geht es auch um Deinen Beruf hier, oder die Art und Weise, wie Du Deinen 'Aufstieg' geschafft hast... vielleicht in dem Du auf clevere Art u. Weise bestimmte Informationen miteinander verknüpfst oder hast?
Irgendwie klingt aber auch durch, dass Du - obwohl Du stolz darauf bist (und vermutlich auch sein kannst) - einen Hauch an Zweifel hegst, in der Richtung: es ging so leicht, es war ein Kinderspiel, also kann es ja nichts richtiges (oder handfestes und dauerhaftes) sein.

Menschen, die einen sozialen Aufstieg machen, hegen oft insgeheim Zweifel an der Echtheit - oder Glaubwürdigkeit dieses Verlaufs. So als sei es ein Wunder, aber eigentlich unglaubwürdig, unwahrscheinlich - und daher letztlich ein fake, der früher oder später 'erkannt' wird - und dann löst sich alles in Wohlgefallen auf (und man fällt die Leiter wieder runter).
Keine Ahnung, aber danach klingt es ein wenig. Also vielleicht insgeheime Ängste u. Zweifel bzgl. Deiner Laufbahn, Deines Lebensweges, Deines 'leichten Aufstiegs' (dafür spricht auch die Rolltreppe).

Du scheinst ein ausgefülltes soziales u. emotionales Leben zu haben - dafür sprechen die Wohnanlage, die Appartments und die Pflanzenbewachsenen Balkone - aber hier kommt diese zugrundeliegende Angst (vor dem Fall) wieder durch: denn die Häuser (Dein Leben) stehen an einem sehr tiefen Abgrund. Und Dir wird - im Traum jedenfalls - bewußt, dass da da, trotz aller Erfülltheit, eine permanente Angst mit ihm Spiel ist, vor dem Fall ( im Sinner der bisherigen Deutung: sozialer/materieller Abstieg).

Darum scheint es zu gehen: obwohl Du - so würde ich es verstehen - schon längst daran gewohnt sein solltest, Deinen Aufstieg geschafft zu haben, und Dich da stabil verankert zu haben, scheinst Du selbst - ein Teil von Dir - nach wie vor nicht 'sicher' damit zu sein. Tief in Dir liegt immer noch die Angst vor dem Fall.

Vielleicht enthält das Traumende den entscheidenden Hinweis: diese Ausstellung.
Betrachte doch nochmal ganz genau alle Fakten in Deinem Leben, Deinen Lebensweg. Vielleicht erkennst Du dann, dass Du mehr geleistet hast, als Dir selbst klar zu sein scheint (diese steile Treppe). Ja vielleicht hast Du gute Umstände gehabt u. glückliche Fügungen u. Unterstützung (die Mutter), aber Du hast es bewältigt.
Vielleicht gestehst Du Dir mal Deine Angst ein - die Dein permanenter Begleiter zu sein scheint - zu fallen, wieder ins Nichts abzustürzen. Denn diese Angst scheint Dich irgendwie daran zu hindern, wirklich voll und ganz das Leben zu genießen und Dich völlig darauf einzulassen.

All die äußere Anerkennung (der Schein nach außen geht es Dir gut) nützt ja nix, wenn wir uns selbst nicht vollständig anerkennen.

Klingt allerdings auch so, als hättest Du den Wunsch nach mehr Bodenständigkeit u. Sicherheit u. Familie (diese Einfamilienhäuser, die Du durch die Scheibe siehst) - da traust Du Dich aber scheints nicht ran.
Vielleicht wegen dieser permanenten inneren Angst - oder auch, weil Du zu sehr damit beschäftigt bist, mit Karriere, Aufstieg usw. und dem Frieden nicht traust - also der scheinbaren Sicherheit, die Du aber innerlich eben nicht empfindest.

Wie gesagt, ich weiß absolut nichts von Dir - daher sind das alles erstmal nur vage Vermutungen. Je mehr Infos wir haben, umso eher können wir einen Traum verstehen und deuten.

ein feedback wäre schön,
Grüße Pica
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Kuenleg » 14.01.2019, 21:24

Liebe Pica,

ich bedanke mich sehr für deine sehr engagierte und ausführliche Traumdeutung. Natürlich kannst du ohne den Kontext die Richtung der Deutung nicht wissen und deshalb ist es schon super, wie du die einzelnen Traumsymbole unabhängig davon entschlüsselt hast. Wenn du das "scheinbar bist du noch nicht wirklich angekommen" aus deinem ersten Post als Richtung genommen hättest, wäre ich noch einverstandener gewesen.

Ich muss erst mal sagen - ohne, dass es jetzt deine Leistung irgendwie schmälern soll, dass mir selbst eigentlich vollkommen klar ist, was der Traum mir sagen will. Ich habe ihn auch nur gepostet, weil ihr mir das vorgeschlagen habt und ich hoffte, ihr würdet so meine erste Frage beantworten können: Wie ich schon im ersten Post meinte, sind nicht die einzelnen Träume für mich das Deutungsproblem, sondern die Frage, wieso alle „auf Reisen“ spielen. Also: die Szene mit Hallervorden symbolisiert für mich „geliehenen Ruhm“, weil ich ja neben ihm sitze, aber, wie du richtig sagst, fühle ich selbst mich nicht wahrgenommen und ich zeige tatsächlich - wie ein Profischauspieler - wenig von mir nach außen. Das hat nichts mit dem Tageserleben von gestern zu tun, sondern ist ein Thema, das mich öfter beschäftigt (also auch der Wunsch nach „Ruhm“, der aber meiner Überzeugung nach immer irgendwie falsch bleiben wird etc.). Die zweite Szene (medizinische Karten) behandelt „leichtes Wissen“, ebenfalls eine Frage, die mich oft beschäftigt (ist mein Wissen nicht eigentlich nur geliehenes Wissen, nicht tiefgründig genug), also auch in meiner INterpretation ganz so, wie du es gedeutet hast. Die dritte Szene hingegen kann ich nicht als angekommen sein in einer bürgerlichen Existenz deuten (so sehe ich mich nicht), sie behandelt die Sehnsucht nach einer örtlichen Heimat, einem Ankommen in einer schönen Landschaft, dann (das Wohnhaus) die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, in der nette Menschen um einen her sind, die nicht irgednwann in die Abgründe (ihrer eigenen Seele) verfallen. Ich kann die hübschen bürgerlichen Häuschen nur durch eine Glasscheibe betrachten, in denen andere es sich gemütlich einrichten werden, weil ich eben immer unterwegs zu sein scheine, ohne jemals irgendwo anzukommen. Die Treppe in der Verkaufsausstellung deute ich (weil es sich um meine Mutter handelt, die es hinaufschafft - und die lebt nicht mehr unter uns) als eine Himmelsleiter: Meine Angst, dass ich den Aufstieg (spirituell oder geistig oder sozial) in höhere Regionen nie schaffen werde, während es anderen leicht fällt. Und natürlich hast du recht - und es ist mir erst durch deinen Hinweis aufgefallen, dass das Thema der Höhe hier eine besonders starke Rolle spielt und dass es mit der Frage nach sozialem Status, aber auch der eigenen geistigen etc. Höhe und der Angst, diese nicht zu erreichen (oder vor dem Loslassen?) zu tun hat... Trivial hatte ich diese Träume im ersten Post deswegen genannt, weil sie mir nichts Neues zu sagen scheinen (also die Behauptung, dass uns Träume Botschaften aus dem Unbewussten vermitteln, die wir sonst nicht wissen könnten, trifft m. E. nur auf Leute zu, die zu ihrem „Unbewussten“ gar keinen Kontakt haben - während ich die von dir gedeuteten Botschaft eben in der genannten Form genau so auch im Tagesbewusstsein klar sehen kann; ich denke allerdings jetzt auch, dass ich meine ursprüngliche Frage nun auch selbst beantworten kann, eben ganz im Sinne deines ersten Posts, nämlich dass ich ganz und gar nicht irgendwo angekommen zu sein scheine).

In diesem Sinne: Vielen Dank!
Kuenleg
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Picadora » 15.01.2019, 15:27

Hallo Kuenleg,

vielen Dank für das ausführliche feedback und Deine Erläuterungen zum Traum.

ein paar Denkanregung (für Dich), hätte ich dazu noch:

zu Deiner Aussage am Ende:

Trivial hatte ich diese Träume im ersten Post deswegen genannt, weil sie mir nichts Neues zu sagen scheinen (also die Behauptung, dass uns Träume Botschaften aus dem Unbewussten vermitteln, die wir sonst nicht wissen könnten, trifft m. E. nur auf Leute zu, die zu ihrem „Unbewussten“ gar keinen Kontakt haben - während ich die von dir gedeuteten Botschaft eben in der genannten Form genau so auch im Tagesbewusstsein klar sehen kann


Da stimme ich Dir zu. Je mehr wir von uns selbst wissen u. je reflektierter wir sind, umso genauer kennen wir auch unser Unbewusstes u. können seine Botschaften nachvollziehen. Es ist ein wenig wie beim Karten legen: die Karten können Dir letztlich nie mehr sagen, als das, was Du ohnehin schon über Dich und Dein Leben weißt.
Häufig haben wir aber auch Scheuklappen auf oder sehen Dinge nur aus einer bestimmten Perspektive - oder eben der berühmte 'blinde Fleck', was uns selbst betrifft. Insofern kann - gelegentlich - ein Fremder (aus seiner Perspektive, die sicherlich auch nicht völlig objektiv ist :wink: ) manchmal Details wahrnehmen, oder Fragen aufwerfen, die es einem ermöglichen können, nochmal neu darauf zu schauen.

Ich frage mich gerade - nachdem ich Deine Antwort nun mehrfach gelesen habe - worum es eigentlich geht? Ich teile viele Deiner Aussagen, dennoch scheint mir da irgendwo der 'wunde Punkt' zu liegen, den ich grade eher erahne, als dass ich ihn richtig in Worte fassen könnte.
Ausgangspunkt ist ja, dass Du das Gefühl hast, - oder vielleicht die Angst - nie irgendwo richtig anzukommen.
Insbesondere scheint es hier ja um den spirituellen Bereich zu gehen.

Nun greif ich mal drei Aussagen von Dir heraus, an denen ich diesen 'wunden Punkt' zu spüren meine:

der Wunsch nach „Ruhm“, der aber meiner Überzeugung nach immer irgendwie falsch bleiben wird)


ist mein Wissen nicht eigentlich nur geliehenes Wissen, nicht tiefgründig genug


die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, in der nette Menschen um einen her sind, die nicht irgednwann in die Abgründe (ihrer eigenen Seele) verfallen


Fass ich diese Aussagen zusammen, dann klingt da - für mich - durch, dass Du (verzeih mir die etwas platte Formulierung) nach der absoluten Perfektion strebst. Nach einer Art außerirdischen Perfektion.
Weißt du, was ich meine?

Ich suche gerade nach Worten, wie ich das formulieren kann, was ich meine. Vielleicht so: Ja, der Mensch (an sich) ist nicht perfekt. Wir streben häufig ein Ideal an, aber scheitern dann an der Wirklichkeit, den Umständen, an anderen Menschen, an Ereignissen, an unseren eigenen - vermeintlichen - Unvollständigkeiten.
Entsprechend zweifeln wir an uns selbst, an unseren heeren Zielen oder unseren Absichten oder unserem Handeln - oder dem der Anderen. Andererseits: wären wir perfekt, würde es sich dann noch lohnen überhaupt zu suchen, zu leben, Dinge auszuprobieren, zu erforschen usw.
Jede spirituelle Suche birgt wohl im Grunde eine Sehnsucht nach einer besseren Welt, einem vollständigeren Dasein - allein unsere Wahrnehmung, dass wir und die Welt und alle anderen nicht perfekt sind, treibt uns m.E. ja erst an, danach zu streben. Also das Eine bedingt das Andere.
Gleichzeitig kann aber das Streben nach der Perfektion dazu führen, dass man nur noch das wahrnimmt, was unschön, unfertig, unbefriedigend ist. Die Konzentration oder der Blickwinkel verschiebt sich dann irgendwie auf das 'Negative'.
Vielleicht ist es aber ganz anders: vielleicht sind wir - gerade in unserer Unperfektheit schon vollständig. Vielleicht geht es darum, gerade auch im spirituellen Bereich, dass wir die Dinge so annehmen wie sie sind. Sie schön finden und gut und richtig, gerade weil sie nicht vollständig und perfekt sind?

Ich bin Anfang des Jahres über einen Spruch gestolpert, der mich sehr bewegt hat, der mir dann in kurzer Folge noch zweimal über den Weg gelaufen ist (an unterschiedlichen Stellen), der wohl ursprünglich von Rumi ist, aber wohl von Leonard Cohen als Songtextzeile übernommen wurde, der sehr gut dazu passt:

ring the bells that still can ring
forget the perfect offering
there is a crack in everything
that's how the light get's in

Vielleicht schaffst Du Deinen gewünschten Aufstieg in die spirituellen Bereiche (und Dein Ankommen) ja deshalb nicht, weil Du eine viel zu große Erwartung, viel zu große Ansprüche daran (und an Dich und die Menschen) stellst?

Vielleicht geht es genau darum, diese Unperfektheiten, diese Abgründe, die wir alle haben, wahrzunehmen u. stehen zu lassen. Sie sind da, ja, aber vielleicht fallen wir alle immer mal wieder ein Stück hinein, doch genau das sind dann auch die Momente, in denen wir am meisten lernen können. Die Momente, in denen wir unsere Unperfektheiten wahrnehmen, in denen erkennen wir auch das Licht (die Erleuchtung, wenn Du es so nennen willst) - daran wachsen wir, auch spirituell.

Spirituelles Wachstum kannst Du letztlich überall finden, gerade auch im Banalen, Einfachen - und ja, auch im Zweifel. Es geht vielleicht darum, Dich überhaupt mal darauf einzulassen - es auszuprobieren. Zu schauen, was dann passiert.

Ruhm muss nicht immer negativ sein, kann - muss aber nicht. Ist immer eine Frage, wie man es lebt, wie man es gestaltet u. nutzt u. was man daraus macht :wink:

Wissen ist immer nur 'geliehen' auf gewisse Weise - es fließt durch mich hindurch - ich lasse andere Menschen teilhaben, es gehört mir nicht (es sei denn ich 'bunkere' es in mir, aber was hab ich dann davon?)
Und: das tiefgründigste Wissen kann ich - meiner Erfahrung nach - nicht aus Büchern beziehen, sondern kommt von den Menschen (inklusive deren Abgründen)


soweit erstmal, sorry für die Länge.
Vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.
Möge es Dich zum weiter-denken anregen.
viele Grüße
Pica
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Re: Durchgängiges Traumthema

Beitragvon Nochda100 » 16.01.2019, 11:11

Hallo Kuenleg,
sondern die Frage, wieso alle „auf Reisen“ spielen
Auch ich bin jede Nacht auf Reisen, wirklich jede Nacht. Mal zu bekannten Orten, mal allein, mal in Begleitung, mal sehe ich einfach den Erdenball aus etwa 10 km Höhe, mal bin ich noch weiter im Weltall, das dann nicht allein.
Mal erkenne ich klar den Bezug zu meinem Leben, manchmal eben nicht.

Andere Menschen haben andere Symbole. Sie träumen von Begegnungen mit Tieren oder sind selber eins. Andere sehen sich ganz oft auf einem großen oder kleinen Schiff auf dem Meer.
Jeder Mensch träumt so, wie er in seinem Inneren aufgebaut ist. Das kann keiner erklären, das bringen wir mit von Geburt an.
Du bist auf Reisen, weil das eben deiner Natur entspricht. Aber diese Symbolik haben viele Menschen. Ist eher ein normales Traumbild.
Gruß, Nochda
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