Traum mit Leichen und Essen

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Moderator: Mirakulix

Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Leichentraum » 10.05.2019, 23:32

Liebe Traumdeuter,

absurde oder unheimliche Träume habe ich häufig. Sehr oft vergesse ich sie allerdings bereits kurz nach dem Aufwachen wieder. Letzte Nacht jedoch habe etwas so Verstörendes geträumt, dass es mich noch tagsüber beschäftigt hat. Es folgt eine Schilderung des Traums:

Mit einigen Freunden – sechs oder sieben mögen es gewesen sein – befinde ich mich auf dem Gelände eines großen Rock-Festivals. Tatsächlich habe ich dieses Festival mit diesen Freunden in der Vergangenheit oft besucht. Im Traum wohnen wir dort absurder Weise in einer Art Ferienhaus.

Abends schlägt einer der Freunde vor, dass wir Essen bestellen könnten. Wir wählen aus und wenig später kommt ein kleiner LKW. Die Mahlzeit besteht aus einer undefinierbaren, aber appetitlichen Pampe (einer Art Kartoffelsalat!?), die wir direkt aus der Heckklappe des LKW’s schaufelweise heraus buddeln. Hierbei fällt mir bereits auf, dass zwischen dem Essen zwei Leichen eingegraben liegen. Ich denke mir nichts dabei und buddle aus hygienischen Gründen großzügig um die Leichen herum.

Im nächsten Moment essen wir gemeinsam und es schmeckt wirklich gut. Inmitten meines Essensberges entdecke ich allerdings zwei halbverweste Finger. Das finde ich nun doch etwas eklig und ich überlege, ob ich noch weiter essen soll. Ich spreche die Freunde darauf an.

„Das mit den Toten auf dem Lastwagen ist sicher ein Versehen, zufällig verleiht dieser Lieferant aber tatsächlich Leichen. Man kann sie sich zum Essen dazu bestellen und so zusammen mit einer Leiche am Tisch sitzen“, meint einer von ihnen. Nach kurzer Diskussion entscheiden die Freunde, dass es doch spannend wäre, sich für jeden von uns eine solche Leiche zu bestellen. Schließlich ist es der letzte Abend des Musikfestivals und das wäre etwas Besonderes.

Da ich selbst als Pfleger in einem Altenheim arbeite, ist der Tod für mich nicht so außergewöhnlich und spannend wie für die anderen. Aber ich will kein Spielverderber sein. Also willige ich ein.

Außerdem – so denke ich mir in diebischer Vorfreude -, ist meine Leiche vielleicht eine junge Frau, und das wäre doch etwas [Nekrophilie!?!?].

Irgendjemand bestellt die Leichen und sogleich bekomme ich eine Art Karte oder Katalog, auf der die Daten zu dem Leichnam geschrieben sind, der mir zugeteilt wurde. Tatsächlich handelt es sich um eine junge Frau und ich freue mich schon. Auf der Karte steht einiges aus ihrem Leben und sogar die letzten Einträge aus ihrem Tagebuch. Offenbar hat sie Suizid begangen. „Hättest du gewusst, dass du dann bei mir landest, hättest du dir das nochmal überlegt“, denke ich mir noch mit einer gewissen Gehässigkeit.

Im nächsten Moment sind die Leichen eingetroffen. Es sind allerdings nur drei. Eine davon sitzt direkt rechts neben mir, links von mir ist eine Wand. Auf einmal fühle ich mich doch sehr unwohl und mag die Leiche gar nicht ansehen. Lustlos stochere ich in meinem Essen. Aus den Augenwinkeln erkenne ich lediglich, dass es sich bei dem Leichnam ganz gewiss nicht um eine Frau handelt und dass er garantiert schon länger tot ist.

Als hätte er meine Gedanken vernommen, spricht der Lieferant mich an: „Ich weiß, die ist schon älter. Das ist heute auch garantiert die letzte Vermietung, dann muss sie wirklich mal weg.“

Hier endet der Traum. Unterbrochen werden die Szenen im Ferienhaus einige Male durch die Suche nach einer Toilette. Dabei wandere ich hektisch durch einen langen Flur mit vielen Menschen, an dem es immer wieder Toiletten gibt. Diese sind allerdings allesamt vollkommen verschmutzt, defekt, oder so installiert, dass mich jeder sehen kann. Meistens ist alles voller Fäkalien. Oft enden die Szenen damit, dass ich versuche möglichst heimlich eine verschmutzte Toilette zu benutzen.

Die „Toilettenszenen“ kenne ich aus vielen anderen Träumen. Die Szenen mit den Leichen hingegen sind neu für mich. Aufgewacht bin ich zunächst ohne Unbehagen. Im Laufe des Tages habe ich allerdings immer wieder über den Traum nachgedacht. Ich empfinde ihn als völlig verstörend.

Gibt es ähnliche Erfahrungen? Spontane Gedanken hierzu oder Tipps?

Viele Grüße
LT

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Leichentraum
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Almuth » 11.05.2019, 09:52

Hallo Leichentraum (oder wie du heißt),
Träume vom Tod gibt es viele. Sie meinen, dass etwas – kein Mensch – zu Ende geht im Leben und damit automatisch etwas Neues beginnt. Stirb und werde ist ein beliebtes Traumthema.

Leichen aber sind sozusagen toter als tot. Sie meinen nicht den Vorgang der Wandlung. Leichen stehen dafür, dass das Tote, also abgestorbene Lebensinhalte, bewahrt werden.
Wer Leichen sieht oder sonst wie zu tun hat mit ihnen, der trägt etwas in sich, in dem verborgenen Teil seiner Psyche, das er eigentlich schon lange hinter sich gelassen haben sollte, aber nicht hat.

Das Festival, das du in der Vergangenheit oft besucht hast, ist der Ort bzw. die Zeit, wo etwas war in deinem Leben, das du bis heute unter der Oberfläche mit dir herum trägst.
Ein solches Festival stellt eine Ausnahmesituation dar vom Alltagsleben. Dort erholt man sich vom Alltag, also ist das Ferienhaus traumlogisch stimmig.

Essen meint im Traum immer die seelische Nahrung, die wir alle mit unseren Erlebnissen und Erfahrungen zu uns nehmen. Daraus gestaltet sich – wächst – unsere Seele, unsere Eigenschaften, unsere Charakteristik.
Und auf einem solchen Festival nimmt man viel, sehr viel seelische Nahrung zu sich, nicht wahr?

Die Mahlzeit ist eine undefinierbare, aber appetitliche Pampe ... ha, ha. Entschuldige, aber ja, so in etwa könnte man so Festivals symbolisch beschreiben. Erklären geht nicht, aber es gefällt.

Von Anfang an bemerkst du die Leichen.
Nun aber wird es kurios. Die Leichen sind ein völlig normaler Bestandteil dessen, was man auf einem Festival zu sich nimmt. Sie gehören dazu. Über die Normalität dessen wird eine Geschichte gestrickt im Traum.
Und das ist nun doppelte Symbolik.
Du erkennst im Traum die Absurdität der Geschichte, spielst aber mit. Legst dir eine Version zurecht, die annehmbar wäre. Das mit der Nekrophilie ist dein Gedanke nach dem Erwachen, nicht im Traum. Da gab es nur den Gedanken an eine junge Frau.

Die Symbolik der Leichen allgemein meint, dass man über den Rausch der Musik seine eigenen unbearbeiteten Probleme vergessen kann. Und zwar so sehr vergessen kann, dass man dann zu Hause die eine oder andere Schieflage seines realen Lebens überdeckt, sie stehen lässt und die vorübergehende Kraft hat, damit weiterzumachen.
Musik formt und gestaltet die Gefühle, den gesamten emotionalen Bereich. Über Musik erträgt man, was man ohne jede Musik nicht aushalten würde.
Gilt natürlich nicht für jeden Menschen, aber doch für viele der jungen Menschen, die auf so Festivals „abheben“.
Dafür, für diese Wirkung von Musik in geballter Ladung, stehen die Leichen, die wie gesagt selbstverständlicher Bestandteil der Erfahrung Festival sind.

Die Rolle, die du dabei spielst, zeigt sich nun in Gestalt der Leichenfrau. Auch in deinem jungen Leben gab es eine Leiche. Also etwas, das geschehen war, das du weggedrückt hast und wohl rational gemeint hast, du hättest es überwunden, es ist, wie es ist, du kannst eh nichts – mehr – machen.
Wie zum Beispiel bei einem Selbstmord einer bekannten oder auch nahestehenden Person. Das muss keine reale Selbsttötung sein. Es kann sich auch um Selbstmord im übertragenen Sinne handeln. Heißt, jemand tut etwas, womit er/sie sich eine Lebenschance nimmt, sich in ein Aus befördert. Für so was gibt es viele Möglichkeiten.
Sie hätte sich das noch mal überlegt, wäre sie bei dir gelandet. Also damals schon.

Sie ist aber wohl nie bei dir gelandet. Und jetzt ist sie deine Leiche geworden. Du hast sie dir im Traum extra bestellt, wolltest die ganze alte Geschichte hervorholen und anschauen im Traum. Was ja der Sinn vieler Träume ist.
Und – es muss sich nicht zwingend um eine Frau handeln. Kann auch ein Mann sein...
Und ja, ihre/seine Geschichte in deinem Leben ist schon älter. Muss nun wirklich mal weg endlich.

Auf einer Toilette, beim Wasserlassen, entledigt man sich im Traum seiner belastenden, nicht weiter brauchbaren Gefühle.
Diese Möglichkeit hast du gesucht schon mehrfach, also in der Realität.
Dass die Toiletten verschmutzt und eigentlich nicht zu benutzen sind, meint, dass es viele Dinge gibt, die du mal loslassen müsstest. Und weiter, dass du viele Menschen um dich herum kennst, die ebenfalls voller schlechter Erfahrungen, Gefühle sind, die sie loswerden wollen.

Darüber hast du schon mehrfach geträumt. Das heißt, du hast es in der Realität bisher noch nicht wirklich geschafft, da was loszulassen.
Loslassen heißt aber nicht einfach „Schwamm drüber, ist eh nichts mehr zu ändern, woran auch immer“.
Loslassen kann man nur, was man sich zuvor klar und deutlich vor Augen geführt hat, was man angeschaut hat und worüber man sich – Achtung – seine eigenen Sch... Gefühle eingestanden hat.
Herzliche Grüße Almuth

Aber warte noch auf die Texte von Picadora und Ghost, die wissen es meist besser.
Almuth
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Leichentraum » 11.05.2019, 11:43

Hallo Almuth,

vielen herzlichen Dank für deine Deutung!

Tatsächlich erscheint mir dieses Musikfestival (es handelt sich um ein großes und sehr bekanntes Festival in Norddeutschland) immer mal wieder in ganz verschiedenen Kontexten im Traum, obwohl ich es mangels Interesse schon seit ein paar Jahren nicht mehr besuche. Diese Erfahrung von „Ausnahmesituation“ und „Abheben“, die du beschreibst, ist genau das, was ich damit verbinde.

Ein paar pikante private Details, mit denen ich selbst versuche den Traum einzuordnen:
- Vor einigen Wochen ging meine langjährige Beziehung in die Brüche. Vor wenigen Tagen haben wir uns glücklicherweise versöhnt und wohnen nun wieder zusammen.
- In der Trennungszeit hatte ich erstmals in meinem Leben Kontakt zu Prostituierten – aus Neugier und um nach dem vorangegangen Beziehungsfrust „die Sau rauszulassen“. Insgesamt waren es drei Frauen („drei Leichen“!?), wobei ich mir ursprünglich mehr vorgenommen hatte (unsere Versöhnung kam gewissermaßen dazwischen). Es waren sehr gemischte, aber auch interessante Erfahrungen.
- Die Kontaktaufnahme zu den käuflichen Frauen geschah über ein Internetportal, das der „Katalog-Karte“ mit der toten Frau im Traum frappierend ähnelte.
- Vor ein paar Jahren war ich sehr verliebt in eine Arbeitskollegin, die mir gelegentlich (selten) im Traum begegnet. Wir haben schon länger keinen Kontakt mehr. Es gab keine Beziehung o.ä. zwischen uns, sie hatte kein Interesse an mir. Obwohl mich das selbst ärgert, denke ich noch jeden Tag an sie. Es hätte mir sehr viel bedeutet mich mit ihr abschließend auszusprechen, sie schien daran aber kein Interesse zu haben (die „verpasste Chance“, der Suizid aus dem Traum?). Ich werde sie tatsächlich nicht los.
- In der Traum-Nacht habe ich eine Wolldecke benutzt (mein eigene Bettwäsche war noch nicht wieder in der gemeinsamen Wohnung), die meine Freundin mir gegeben hatte mit der Bemerkung, dass sie sehr alt sei und einem längst verstorbenen Verwandten gehörte (den ich nicht kannte – die fremde, unheimliche Leiche am Ende des Traums?).

Interessant, wie im Traum die verschiedenen Erfahrungen und Symbole zu einer Handlung zusammengeführt werden. Immerhin verstehe ich meinen Traum nun besser und finde ihn mit etwas Abstand betrachtet nicht mehr ganz so unheimlich, sondern fast ein bisschen komisch.

Schönen Gruß
Chris
Leichentraum
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Almuth » 12.05.2019, 09:31

Hallo Chris,
danke für deine Antwort, ist leider nicht selbstverständlich hier.

Die Details zu deinem Leben geben natürlich Aufschluss, wofür die Symbole des Traumes stehen.
Deine Beziehung, die erst beendet war, nun aber weiter besteht, kommt eher nicht vor im Traum.
Leichen symbolisieren ja, wie gesagt, etwas real Vergangenes, das eigentlich abgehakt sein sollte im Denken und Fühlen, aber eben nicht abgeschlossen ist. Etwas, das man überflüssigerweise immer weiter mit schleppt in seinen Gedanken und Gefühlen. Und zwar nur dort.

Auch die Prostituierten kommen da nicht in Betracht. Denn die sind ja komplett neu in deinem Erfahrungsbereich.
Dass die Katalogkarte dem Internetportal ähnlich sah, liegt eher daran, dass unser Unterbewusstsein nächstliegende Symbole benutzt, weil es meint, sie wären dann leichter verständlich.
Man wählt sich seine Partner aber grundsätzlich aus einem Katalog an Möglichkeiten aus im Leben. Also jeder Mann und jede Frau wählt aus einem mal mehr, mal weniger umfangreichen Angebot, das ihm vom Leben geboten wird.

Die Kollegin aber, in die du verliebt warst, sie aber nicht in dich, die passt „wie die Faust aufs Auge“, wenn ich das mal so salopp sagen darf.
Ist längst Vergangenheit, du aber denkst noch jeden Tag an sie, wie du schreibst.
Auch der Selbstmord macht Sinn. Interessant ist aber, dass sie ihn begangen hat. Denn das heißt ja, dass sie mit der Zurückweisung von dir eine echte Lebenschance verpasst hat.

Die Liebe zu einem Menschen führt in der Regel zu einer festen Beziehung/Ehe. Und sämtliche Beziehungen verlaufen dann nach dem Prinzip der vier Jahreszeiten. Also erst das wundervolle Aufblühen, dann der heiße Sommer, dem die Ernte folgt, wo man sieht, wie diese Beziehung konkret das Leben bereichert. Danach kommt halt der symbolische Winter, wo man meint, die Liebe ist erfroren. Stimmt nicht, sie ist nur dabei sich zu wandeln. Hält man durch und trennt sich nicht gleich, wie es heute oftmals getan wird, dann folgt in jedem Fall ein neuer Frühling. Der ist aber nicht derselbe wie der erste Frühling, aber doch ein neues Werden. Bleibt man dabei, dann fällt jeder „Herbst“ (die Zyklen wiederholen sich ja immer wieder) reicher aus.

Erfüllt sich eine Liebe aber nicht, heißt, man geht keine feste Partnerschaft ein, dann bleibt dieses Gefühl das, was es war. Ein Frühling, der sozusagen stecken geblieben ist.
Soll keine Drohung sein, aber du wirst dein Leben lang an sie zurückdenken mit dem Gefühl, etwas begonnen, dann aber nicht vollendet zu haben. Sie hat es „getötet“.

Das mit der Decke kannst du so nehmen, wie du es verstehst.

fast ein bisschen komisch
Gut, dass du zu diesem Eindruck kommst inzwischen. Träume sind bei aller Dramatik immer auch komisch oder halt wunderlich.
Melde dich mal wieder, würde mich freuen.
Herzliche Grüße Almuth
Almuth
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Ghost » 12.05.2019, 10:31


Hi Chris,
....Aber warte noch auf die Texte von Picadora und Ghost, die wissen es meist besser...

wo Almuth Recht hat, hat sie einfach Recht, grins....... Sie hat dir nun eine wunderschöne Sichtweuse aus klassischer psychologischer Sicht geschenkt. Wie verstehe ich nun deinen Traum aus moderner, spiritueller Sicht??? Nun, ganz einfach. Dein Unterbewußtsein ist ja bemüht, dene Lebenssituation zu verbessern und zu erhellen. Zur Zeit läuft ja alles nicht so rund. Die Zeiten des Betretens der hellen Lebens-Oasen, deines Aifenthaltes darin sind ja extrem gering. Also müssen Veränderungen von deinem Unterbewußtsein in dein Leben eingeklagt werden. Welche Veränderungsansätze werden nun von deinem Traum eingeklagt??? Das zentrale Problem ist nun deine Befürchtung, das begünstigt durch deinen Altenpflegerberuf

Nekrophilie!?!?

prägend, bedrängend in dein Leben kommen könnte. Das ist das zentrale Thema dieses Traumes, eigentlich nicht zu übersehen. Mich würde nun interessieren, welchen Entscheidungsgründen du für diese Berufswahl gefolgt bist. Als Altenpfleger bist du ja sehr nahe am manchmal sehr schwerzhaften Zerfall eines einst blühenden, harmonischen Lebensentwurfes. Psychogen benutzen manchmal das Bild, dass sie durch die Therapie die "Suppe" des Patienten mit auslöffeln. Durch deine nahen menschlichen Kontakte in deinem Beruf könnte man meinen, löffelst du auch die Bedrängnisse der zu betreuenden Menschen mit aus. Traumsymbolisch also eine Suppe mit Leichenteilen.

Und hier kommt meine nächste Frage. Welche inneren Bilder benutzt du, um zu dem Leid und den dunklen Situationen der zu betreuenden Menschen Distanz halten zu können??? Und daran schließt sich für mich die Frage an, ob genau durch diese ständig zu erhaltenden Distanzbilder deine lebendigen Lebensbilder blühenden, unbelastetes Leben ohne den Blick auf den Tod, dass diese Bilder verdunkelt werden.

Dein Traum könnte also die Aufforderung enthalten, sehr viel mehr inneren Bildern des blühenden, unbelasteten, unbesorgten Lebens Raum und Zeit für Betracchtung zu schenken oder eine berufliche Änderung in Erwägung zu ziehen???.

Herzlichst

Ghost

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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Dichterseele » 14.05.2019, 02:40

Hallo, die Deutung von Almuth war gut - Deine Assoziation zu den Prostituierten passend.

Dazu noch eine kleine Bemerkung.

Prostitution hat - obwohl in Deutschland seit einiger Zeit legal - den Beigeschmack des Verbotenen.
Nachdem Du Dich mit Deiner Freundin versöhnt hast, empfindet Dein unterbewusstes Über-ICH diese Frauen offenbar sprichwörtlich als 'Leichen im Keller', deren 'Konsum' Dich anekelt.
Dabei hast Du verdrängt, dass man Menschen nicht als Ware benutzt und das belastet Dich. Die Erinnerung daran möchtest Du loswerden.
Die Finger im Kartoffelsalat deute ich hier als versteckte Mahnung...

Du hast ein seltsames Gefühl, wenn so eine Leiche an Deiner Seite sitzt - sprich, Prostituierte passen nicht zu Dir.
Eigentlich willst Du eine lebendige Beziehung...
Dichterseele
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Picadora » 14.05.2019, 14:20

Hey Chris,

ich weiß nicht, ob Du nochmal hier reinschaust, aber ich schreibe Dir dennoch - denn, abgesehen von all den Deutungen bislang, glaube ich nämlich durchaus, dass dein Traum auch einen Bezug zu Deiner vor kurzem beendeten, nun wieder aufgenommenen Beziehung darstellt. Ich glaube sogar, dass das das Hauptthema des Traumes darstellt.

Leider schreibst Du nicht, was da passiert ist, warum sie endete und v.a. wer sie beendet hat: ich vermute mal Deine Freundin. Auf sie würde ich auch den Suizid beziehen, der im Traum auftaucht.

Zunächst bist Du im Traum auf diesem Festival, und im wohligen Zustand des 'Abhebens' - eine Ausnahmesituation, ein wenig irreal - so fühlst Du Dich gerade, aufgrund euer - wie es klingt - überraschend gekommenen Versöhnung u. Wiederaufnahme der Beziehung. Im Traum ist es ein Ferienhaus, in dem ihr lebt, d.h. diese Situation der Versöhnung ist gefühlt ein wenig 'wie im Urlaub', wo alle alltäglichen Probleme u. Sorgen außen vor sind. Schön, aber nicht dauerhaft.
In der nächsten Traumszene wird auch bereits deutlich, dass da - in der Beziehung, zwischen euch - trotz allem aktuellen Versöhnungs-Wohlgefühl - nicht alles so toll ist. Der kleine LKW, der kommt u. euch das Essen bringt, deutet bereits an, dass ihr beide mit gewissen Altlasten zu tun habt (also unaufgearbeitete u. vermutlich unausgesprochene Probleme), auch eure Nahrung, die ihr da zu euch nehmt, klingt nicht besonders gesund und gut.
Almuth hat Dir ja schon beschrieben, was Essen bedeutet. Für mich klingt das hier, im Kontext Deiner Beziehung so, als sei das mehr eine 'Zweckbeziehung': sie hält euch warm u. aufrecht, d.h. man ist froh, dass man überhaupt eine Beziehung hat (und nicht alleine ist) - mehr aber auch nicht. Das scheint Dir im Moment (der Versöhnung) zwar egal zu sein, Du sagst ja, es schmeckt Dir gut - aber insgeheim ist Dir durchaus bewußt, dass da nicht alles soo perfekt ist (offensichtlich, sonst hättet ihr euch ja auch nicht getrennt)

Und das nicht so 'perfekte', wird dann auch sichtbar: wie Dichterseele es so schön umschrieben hat - da sind 'Leichen im Keller', bei euch beiden. Unverarbeitetes, unausgesprochenes, alte ungelöste Probleme und Schwierigkeiten, unerfüllte Wünsche u. Sehnsüchte... all sowas - wie gesagt, ein Grund hatte diese Trennung ja.
Das scheint Dir dann ja auch bewußt zu werden, trotz des anfänglichen Ignorierens, wird Dir klar, dass das nicht dauerhaft möglich ist.

Ich weiß nicht, was die 'Haupt-Leiche' im Keller von eurer Beziehung ist - so wie es klingt, und nach allem, was Du von Dir beschrieben hast, geht es ja um mehrere Dinge: einmal diese alte 'Sehnsucht' nach dieser Arbeitskollegin u. Dein Gefühl, dass Du da was verpasst hast - das klingt danach, als ob Du unerfüllte emotionale Wünsche hast, die Deine Wieder-Freundin nicht erfüllen kann.
Dann aber auch Dein Umgang mit der Trennung, dass Du sozusagen 'umgehend' Prostituierte aufsuchst, um wilden Sex zu haben - ich werte das nicht, ich beschreibe nur, wie es auf mich klingt - jedenfalls wirkt es so, als sei die sexuelle Ebene eurer Beziehung auch nicht besonders gut (gewesen). Als würdest Du Dir da auch mehr oder was Aufregenderes wünschen.

Dass Du Dir im Traum wünschst, dass die Leiche ein junge Frau ist, das klingt für mich so, als wünschst Du Dir eigentlich eine andere Beziehung. Eine neue Beziehung.
Du bist zwar jetzt zurück zu Deiner Freundin, aber es ist offensichtlich, dass das eher aus dem Gefühl heraus war, wenigstens überhaupt eine Beziehung zu haben, wenigstens nicht alleine sein - die Beziehung befriedigt Dich (vermutlich euch beide) zwar nicht, aber besser überhaupt was zu essen als gar nichts....

Der Bezug zwischen den drei Leichen u. den Prostituierten hast Du ja selbst schon hergestellt: sie verkörpern hier die Leichen, weil es eben eine gekaufte Beziehung ist, wie Dichterseele schon sagte - keine wirkliche Beziehung, keine Emotionen - es war ja anscheinend mehr eine Art Racheakt (gg. die Freundin u. die Trennung - vermutlich von ihr ausgelöst, daher auch 'ihr Suizid') sowie vermutlich der Wunsch nach mal mehr (oder außergewöhnl. Sex). Doch Dir wird beim Essen dann auch bewußt, dass es Dir nicht so wirklich schmeckt. Dass es Dir nicht das gibt, was Du Dir wünschst.
Da Traumsymbole sehr komplex sind, kann man das eben sowohl auf die Prostituierten beziehen, als auch auf Deine Freundin. Ich glaube emotional ist da nicht mehr allzuviel bei Euch beiden los, außer Gewohnheit und daher Sicherheitsgefühl. Das scheint Dir unbewußt auch klar zu sein: daher auch die Wand links von Dir, im Traum.

Tatsächlich bist du ja selbst Dein eigener Essens- und Leichen-Lieferant, Du entscheidest, was Du isst, was für eine Beziehung Du führst und ob Du zu Prostituierten gehst. Die Aussage des Lieferanten im Traum am Ende zu dieser gesamten Situation ist dann auch eindeutig: das ist ein letzter Versuch, etwas Totes noch einmal zum Leben zu Erwecken.
Das tust Du gerade, indem Du - eure eigentlich bereits tote, abgestorbene Beziehung wieder versuchst zum Leben zu erwecken.

Die ganze Toiletten-Suche hat Almuth schon deutlich erklärt: dabei gehts ums loslassen. Den alten Scheiß loslassen.
Sich eingestehen, was Scheiße ist im Leben und dann auch die Konsequenzen ziehen.

Falls diese Versöhnung zwischen euch wirklich eine Chance hat, dann müsstet ihr mal anfangen miteinander zu reden - euch einzugestehen, was nicht gut läuft/lief, was da an unerfüllten Wünschen u. Bedürfnissen jeder hat u. schauen, ob ihr die gemeinsam erfüllen könnt.

Falls nicht, werdet ihr weiter versuchen, etwas zum Leben zu erwecken, was schon längst tot ist: eure Beziehung.


Grüße Picadora
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Re: Traum mit Leichen und Essen

Beitragvon Dichterseele » 16.05.2019, 17:37

Jepp, beim Lesen von Picadors Ausführungen kam mir noch:

Leiche essen = eine bereits tote Beziehung 'vernaschen', obwohl Dich davor ekelt...

Und ich werte Deinen Gang zu Prostituierten in der Beziehungspause nicht so, dass Dir in der Beziehung sexuell was gefehlt hat, sondern dass Du diese Beziehung nur führtest, um Sex zu haben. Einen Partner darf man aber nicht auf Sex reduzieren, zu einer Partnerschaft gehört weitaus mehr!
Und eigentlich träumst Du immer noch von Deiner früheren Arbeitskollegin - das ist Betrug an Deiner Partnerin.
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